Deine blauen Augen

Im August 2017 verbrachte ich einige Stunden auf einer Wiese mit Gänsen und ein paar Enten. Eigentlicher Grund war, hier ein Motiv für ein Cover für ein Buch einer Freundin zu finden.
Ich hatte großen Respekt vor der Schar, die mich lautstark empfing, kannte Geschichten von z.B. blau gefleckten Beinen, die von Flügelschlägen und Schnabelbissen herrührten. Ich ging in die Hocke und war still. Die Vögel fraßen Gras und kümmerten sich bald nicht mehr um mich. Dachte ich. Irgendwann begann ich, zu fotografieren und bewegte mich im Watschelgang zwischen ihnen hin und her. Plötzlich waren alle weg. Nur am Zaun die paar Enten. Alles still. Leises Geräusch. Als ich über die Schulter blickte, waren ALLE Gänse hinter mir, ein Schnabel fast an meinem Ohr. Manche hatten ihre Köpfe schräg gelegt. Ich war so konzentriert gewesen, dass ich nicht bemerkte, wie sie sich hinter mich geschlichen hatten. Sie waren immer noch mucksmäuschenstill, zwei guckten mir über die Schulter und auf oder vielleicht in die Kamera.
Mehr als acht Jahre später, im November 2025, fiel mir ein, dass es nicht nur eine schöne Zeit auf der Wiese mit all den schlauen und neugierigen Tieren war, sondern auch, dass ich diese Erinnerung festgehalten habe.
Einblick in die Serie: Deine blauen Augen, 2017.

Auch in diesem Jahr ist die Wiese wieder von einer großen Gänseschar bevölkert, fast 500 Tiere leben dort. Sie werden bis kurz vor Weihnachten gehalten. Das Fest erlebt keines. Momentan, November 2025, ist in Teilen Niedersachsens allerdings Stallpflicht wegen des Ausbruchs der Geflügelpest.

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